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Rente mit 63

königderberge

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AW: Rente mit 63

Es ist ein großer Anreiz für mich, überhaupt leistungsfähig zu sein und Vermögen zu erhalten, um es meinen Kindern irgendwann zu schenken (nenne es von mir aus vererben, das ist im Prinzip dasselbe). Und wenn ich ihnen 1 Million schenken will, weil ich sie habe und nicht brauche, will ich dies mit meinem Vermögen tun können ohne dass sie daraus nur 910.000 erhalten oder umgekehrt, wenn ich meinem Sohn 1.000.000 zukommen lassen will, muss ich real rund 1.140.000 schenken, damit er nach Steuerabzug 1.000.000 hat (mir ist dabei egal, ob der Schenker oder der Beschenkte die Steuer zahlt, Tatsache ist, dass ein reiner Transfer von bereits versteuertem Vermögen, für welches Leistung erbracht wurde nochmal versteuert werden muss). Das mag in Augen derer, die nichts haben, eine gerechte Umverteilung sein, also dem Fiskus einen Teil davon abzugeben, für mich ist es ein Eingriff ins Eigentumsrecht. Aber das ist eines jeden persönliche Gerechtigkeitsdenke und wie Du schon sagtest, jedem kann man es nicht recht machen, da jeder individuelle Erwartungen hat. Meine wäre es, dass mein Vermögen bei der Weitergabe an meine Kinder nicht geschmälert wird. Dass es andere Meinungen gibt ist klar.

Irgendwie muss man einen Staat als soziales Gebilde nunmal aufrecht erhalten, rein finanziell gesehen, da sind wir uns hoffentlich einig.
Aus meiner Sicht ist es grundsätzlich gerechter geschenktes Einkommen als erarbeitetes Einkommen zu besteuern, da ich ja will daß sich Leistung lohnt und Menschen produktiv tätig sind.
Ich bezahle auf Einkommen ca. 40% Steuern, da sind mir 19% für etwas für das ich nichts tun muss wesentlich lieber.
Aus vererbtem Vermögen bilden sich finanzielle Ungleichgewichte und die die was haben, bekommen immer mehr, das kann auf Dauer nicht volkswirtschaftlich sinnvoll sein.
Solange der Staat eine Durchlässigkeit nach oben sicherstellt hat jeder eine Chance durch Bildung und Arbeit voranzukommen, Vererbung verhindert oder erschwert das zumindest. Das ist ja auch der Sinn, Eltern wollen ihren Kindern einen Vorteil verschaffen.
Wenn Du ihnen eine gute Ausbildung ermöglicht hast und gute Erziehung angedeihen lässt brauchen sie dein Geld gar nicht, sie können es selber schaffen und dadurch Befriedigung erreichen.
https://de.finance.yahoo.com/fotos/.../andrew-lloyd-webber-photo-1377265523110.html
 

königderberge

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AW: Rente mit 63

Nach meiner Vorstellung ist es fair, wenn jeder die die gleichen Ausgangs- und Rahmenbedingungen hat.

Da bin ich ganz bei Dir, aber wenn einer deiner beiden ein Haus und € 500.000.- Bargeld erbt wird es sehr schwer für den anderen ihn wieder einzuholen, denn der Begünstigte lebt mietfrei und kann Kapitaleinkünfte zusätzlich erzielen.
 
G

Gast10

Guest
AW: Rente mit 63

Da bin ich ganz bei Dir, aber wenn einer deiner beiden ein Haus und € 500.000.- Bargeld erbt wird es sehr schwer für den anderen ihn wieder einzuholen, denn der Begünstigte lebt mietfrei und kann Kapitaleinkünfte zusätzlich erzielen.

Dann holt er ihn eben nicht ein. Hat er dadurch einen Nachteil außer Neid? Für den ersten haben sich seine Eltern auch den Arsch aufgerissen und intelligente Entscheidungen getroffen um ihm was zu hinterlassen, wofür er künftig Grundsteuer und Kapitalertragsteuer zu zahlen hat, die zweiten Eltern haben halt auf Hartz 4 gelebt und in den Sessel gepupst oder ihr Geld verprasst. Beides legitim. (und verzeihe die harsche Ausdrucksweise, mir ist schon bewusst, dass es manche auch unverschuldet einfach nicht weiter schaffen)

Ich zahle ebenfalls Spitzensteuersatz und habe mich darüber nie beschwert. Gutes Einkommen darf ruhig überproportional den Staat stützen. Besserverdiener zahlen ja nicht nur mehr, weil sie mehr verdienen, sondern auch prozentual mehr nach dem Motto doppeltes Einkommen, vierfache Steuern. Damit hatte und habe ich nie ein Problem und Leistung lohnt sich immer noch weil einem bei gutem Einkommen ja weit mehr bleibt nach Abzug der Standard-Lebenskosten als jemandem, der mit seinem Einkommen gerade mal Miete, Kleidung und schlechtes Essen bezahlen kann.

Aber was ich mal erarbeitet habe, soll auch frei verfügbar für den Zweck sein, den ich mir mit meinem Eigentum aussuche. Ob ich mir ein Auto davon kaufe oder mein Sohn (ok, alles unter dem Freibetrag, aber zur Verdeutlichung) soll das Vermögen nicht unterschiedlich schmälern indem es zu unterschiedlichen Abgaben führt, weil ich den Konsum hinauszögere und ihn meinem Sohn angedeihen lassen möchte.

Aber ich glaube, das ist tatsächlich eine Glaubens- oder Ideologiefrage. Wir werden auf keinen gemeinsamen Nenner kommen. Und das ist ja auch nicht schlimm, jeder darf seine Meinung haben. [img17]
 
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bedee

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AW: Rente mit 63

Meine Lösung für mich? Ordentlich diversifizierte private Vorsorge, Eigenheim noch vor Renteneintritt abbezahlen, mit 60 aufhören zu arbeiten und aus der Reserve leben bis die gesetzliche Rente kommt. Ob das klappt? Mal schauen. Aber dafür verzichte ich heute auf so manches. Ob ich davon was habe, weil ich vielleicht mit 66 sterbe? Mal schauen. Aber vielleicht werde ich ja auch 100.
Das war auch mal unser Plan und nach früheren Berechnungen hätten wir uns mit 55 zur Ruhe setzen können. Dann haben wir uns doch noch für Nachwuchs entschieden und schon ging die Rechnung nicht mehr auf :scool:

Dann holt er ihn eben nicht ein. Hat er dadurch einen Nachteil außer Neid? Für den ersten haben sich seine Eltern auch den Arsch aufgerissen und intelligente Entscheidungen getroffen um ihm was zu hinterlassen, wofür er künftig Grundsteuer und Kapitalertragsteuer zu zahlen hat, die zweiten Eltern haben halt auf Hartz 4 gelebt und in den Sessel gepupst oder ihr Geld verprasst.
Kann man so nicht sagen.
Mein Mann hat ein Haus geerbt und mein Schwiegervater war extrem stolz darauf, dass er das seinem Sohn mal weitergeben kann (und alle, die zur Miete wohnen sind ja quasi asozial!).
Das Haus meiner Oma ist im Osten geblieben und dabei hat sie vor ihrem Weggang noch die letzte Rate abbezahlt (der auf der Bank wollte es gar nicht mehr nehmen). Meine Eltern haben hier mit nichts angefangen und sich ein Leben aufgebaut und sich dann auch mal nen Fernseher, ein Auto und einen Garten leisten können. Und allen ihren Kindern eine Ausbildung finanziert (was mehr war, als mein Vater z.B. von seinen Eltern gekriegt hat).
Kommt also ganz auf die Umstände an, z.B. wo jemand wohnt.

Interessante Diskusionen hier. Und ich finds auch nicht schlimm, wenns hier nicht nur strikt um den Threadtitel geht. Hängt doch irgendwie alles zusammen: wo kriege ich mein Einkommen her?
 

matten

Team Lowtech/Fitness. Der Mattenschlinger
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AW: Rente mit 63

Nach meiner Vorstellung ist es fair, wenn jeder die die gleichen Ausgangs- und Rahmenbedingungen hat. Bei Dir ist fair, wenn alle das Gleiche haben.

sorry, aber das was du mir da quasi unterzuschieben versuchst ist einfach falsch. das hört man ja desöfteren, aber dadurch wird es einfach nicht richtiger.

ich möchte nicht, daß alle das gleiche haben oder gleich sind, sondern ich möchte, daß sich leistung und bemühen lohnt! ich möchte auch nicht, daß jeder einen trainierten körper hat, obwohl er gar nicht trainiert. das ist völlig abwegig.

ich habe doch lang und breit ausgeführt, daß die ausgangsbedingungen eben nicht gleich sind. siehe erbschaft oder soziale herkunft (in deutschland sind die bildungschancen immer noch stärker von der sozialen herkunft abhängig als in jedem anderen oecd land) und auch die rahmenbedingungen sind nicht gleich für z.b. lohnempfänger und empfänger von erbschaften oder kapitalerträgen aus vermögen. das wirkt sich natürlich auch auf das aus, was jemand in seine alterssicherrung investieren kann.

völlige chancengleichheit wird man wohl nicht erreichen können, aber man kann ja zumindest daran arbeiten. chancengleichheit ist übrigens quasi das große thema von menschen mit einer liberalen poltischen grundeinstellung. es verwundert mich sehr, daß dieses thema von parteien, die sich selbst so einstufen schon sehr lange nicht mehr verfolgt wurde.

aber sei es drum, one2one-Training hat schon recht, wenn er sagt, daß hier unterschiedliche politische grundeinstellungen der beteiligten diskutanten aufeinander treffen und wir hier sicherlich keinen völligen konsens erreichen werden, aber in gewissen teilaspekten ist das ja nun schon der fall.
 

königderberge

Well-Known Member
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AW: Rente mit 63

Dann holt er ihn eben nicht ein. Hat er dadurch einen Nachteil außer Neid? Für den ersten haben sich seine Eltern auch den Arsch aufgerissen und intelligente Entscheidungen getroffen um ihm was zu hinterlassen, wofür er künftig Grundsteuer und Kapitalertragsteuer zu zahlen hat, die zweiten Eltern haben halt auf Hartz 4 gelebt und in den Sessel gepupst oder ihr Geld verprasst. Beides legitim. (und verzeihe die harsche Ausdrucksweise, mir ist schon bewusst, dass es manche auch unverschuldet einfach nicht weiter schaffen)

Ich zahle ebenfalls Spitzensteuersatz und habe mich darüber nie beschwert. Gutes Einkommen darf ruhig überproportional den Staat stützen. Besserverdiener zahlen ja nicht nur mehr, weil sie mehr verdienen, sondern auch prozentual mehr nach dem Motto doppeltes Einkommen, vierfache Steuern. Damit hatte und habe ich nie ein Problem und Leistung lohnt sich immer noch weil einem bei gutem Einkommen ja weit mehr bleibt nach Abzug der Standard-Lebenskosten als jemandem, der mit seinem Einkommen gerade mal Miete, Kleidung und schlechtes Essen bezahlen kann.

Aber was ich mal erarbeitet habe, soll auch frei verfügbar für den Zweck sein, den ich mir mit meinem Eigentum aussuche. Ob ich mir ein Auto davon kaufe oder mein Sohn (ok, alles unter dem Freibetrag, aber zur Verdeutlichung) soll das Vermögen nicht unterschiedlich schmälern indem es zu unterschiedlichen Abgaben führt, weil ich den Konsum hinauszögere und ihn meinem Sohn angedeihen lassen möchte.

Aber ich glaube, das ist tatsächlich eine Glaubens- oder Ideologiefrage. Wir werden auf keinen gemeinsamen Nenner kommen. Und das ist ja auch nicht schlimm, jeder darf seine Meinung haben. [img17]

Ja, er hat einen Nachteil, denn er wird dauerhaft weniger Wohlstand geniessen als der der quasi unverschuldet was erbt und damit einher geht auch ein gewisses Maß an Selbstwertgefühl.
Auswirkungen kannst Du z.B. am Immobilienmarkt hier in München sehen, dort sind die Preise so hoch daß es selbst für Gutverdiener kaum noch möglich ist Eigentum zu erwerben, es sei denn Du kannst auf ein ansehnliches Erbe zurückgreifen oder bekommst vom Papa was geschenkt. Ist das kein Nachteil?
Daß die Vermögensverteilung für eine funktionierende Volkswirtschaft nicht optimal ist ist hoffentlich unbestritten, daraus muss man eben auch die richtige Konsequenz ziehen oder es tritt der Monopolyeffekt ein, sodaß am Ende sehr wenige Reiche einem Heer von Mittellosen gegenüberstehen. Denkst Du so würde unser kapitalistisches System noch funktionieren?
Im Gegensatz zu matten bin ich ein absoluter Anhänger einer mehr oder weniger freien Marktwirtschaft, aber der Staat muss auch sicherstellen daß der Markt auch funktionieren kann, deshalb gibt es z.B. Monopolverbote.

Steuerpolitisch vergisst Du bei deinem Beispiel daß Du und dein Sohn 2 Steuerpflichtige darstellen, wenn also dem einen was zufliesst muss er auch Steuern dafür bezahlen, daß Du das schon versteuert hast spielt da keine Rolle. Wenn ich mir ein Auto davon kaufe muss der Verkäfer auch Steuer bezahlen obwohl ich es schon versteuert habe.

Gesellschaftspolitisch gesehen kann mich dein Beispiel auch nicht überzeugen, denn was kann der Sprößling des Hartz IV Clans dafür daß seine Eltern nichts auf die Reihe gekriegt haben? Oder umgekehrt womit verdient dein Sohn das Vermögen daß Du Dir erarbeitet hast, mit dem Glück der Geburt?
Was Du willst zementiert doch nur die Ungleichheit und verstärkt diese, was soll das für einen gesellschaftlichen Benefit haben?
Wenn ich die Problematik nüchtern betrachte würde ich eher dazu neigen die Einkünfte aus eigener Arbeit niedriger und leistungslose Einkommen sehr hoch zu besteuern, damit habe ich die Möglichkeit daß ich mich aus eigener Kraft hocharbeiten kann. Was spricht deiner Ansicht nach dagegen?
Die Bemühungen nach Chancengleichheit in der Ausbildung greifen da mMn zu kurz, das zeigen auch die statistischen Zahlen.

Ich glaube auch nicht daß es bei diesem Thema um Ideologie oder versch. wirtschafts- und gesellschaftspolitische Ansätze geht, sondern um das egoistische Interesse seinem Nachwuchs einen Vorteil zu verschaffen.
 
G

Gast10

Guest
AW: Rente mit 63

@kdb: ganz kurz, weil mir das langsam zu ideologisch wird. Du unterstellst immer, dass das Zuflussprinzip der Besteuerung auch für Vermögensübertragungen greift. Das tut es aber nicht zwingend, sondern nur wenn man sich überlegt, dafür eine extra Steuer (wie die Schenkungs- und Erbschaftssteuer) einzuführen, die schon immer umstritten waren und die beide NICHT Teil der Einkommensbesteuerung sind. Im Grunde sind es Substanzsteuern wie die Grunderwerbsteuer, die ebenfalls nicht aufgrund eines Zuflusses erhoben wird sondern nur aufgrund eines Kaufs mit Gegenleistung mit Saldo 0. Grundstückswert gegen Geld.

Das Zuflussprinzip greift ja vor allem bei der Einkommensteuer. Dort gibt es auch Zuflüsse, die gänzlich außen vor sind und NICHT in eine der 7 Einkunftsarten des deutschen Steuerrechts einzuordnen sind, für die also gar keine Steuer anfällt, und desweiteren sind Schenkung und Erbschaft ja per Definition kein Zufluss im Sinne von Einkommen sondern Vermögensübertragung.

Es ist natürlich traurig für jemanden, der neidvoll sehen muss wie sein Kumpel ein Haus erbt und seine Eltern hinterlassen ihm nichts. Das verstehe ich ja und bin da bei Dir. Aber stelle Dir mal vor, Du hast ein Kind, der hat finanzielle Probleme, braucht aus irgendwelchen Gründen 100.000 Euro (auch das liegt unter dem Freibetrag, aber dient jetzt mal als Beispiel) und Du kannst ihm die nicht schenken? Der Staat würde die 100.000 einsacken für die Allgemeinheit, weil ja Chancengleichheit bestehen soll und man nichts verschenken oder vererben darf? Das ist es doch was Du forderst. 100% Schenkungs- und Erbschaftssteuer. Dann muss jeder seins selbst erarbeiten von null aus. Und Erbschaft ist ja nur eine nachgelagerte Schenkung wenn man so will, also passt das Beispiel auch auf eine Erbschaft. Was wenn sich Dein Sohn jahrelang an Deinem Sterbebett, weil Du zum Beispiel Krebs hast, um Dich kümmert und Du willst ihm dafür einen Teil Deines Vermögens vermachen? Zack... Erbschaft? Nein! Wir wollen ja Chancengleichheit für alle, man darf nichts erben können... sorry, für mich ein ganz großer Schwachsinn, der an Enteignung grenzt. Meine Eltern haben mir auch einen kleinen aber nützlichen Betrag damals beim Kauf meiner ersten Immobilie zugeschossen. Das hätten sie nach Deinem Willen nicht gedurft, danke auch... also darf man wenn es nach Dir geht sein Leben lang leistungsfähig sein, ein entsprechendes Vermögen anhäufen und wenn man stirbt kassiert es der Staat? Hallo, wo leben wir denn hier? Das ist für mich fast schon verfassungsfeindlich!

Sei mir nicht böse, das geht nicht gegen Dich persönlich, aber wenn man anderer Meinung ist (und nur um Meinungen geht es hier, denn weder Du noch ich haben RECHT - weil nicht definiert ist, was hier Recht ist, außer durch unser Gesetz) dann muss man das sagen können.
 

königderberge

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AW: Rente mit 63

Ich habe kein Problem damit wenn jemand anderer Meinung ist und nehme das auch nicht persönlich, aber ich geh davon aus daß man seine Meinung auch begründen kann. Deshalb habe ich Dir meine Bedenken im Hinblick auf Wirtschaft und Gesellschaft dargestellt.

Selbst wenn wir mal die steuerliche Betrachtungsweise ausser Acht lassen, würde ich gerne deine Meinung zu meinen Fragen hören.

Bist Du der Meinung daß die volkswirtschaftlichen Effekte zunehmender Kapitalakkumulationen keine Auswirkungen haben und es wirtschaftlich gesehen keine Rolle spielt daß Vermögen zunehmend ungleicher verteilt wird?

Das Leistungsprinzip wird dadurch ausgehebelt, ist das gerecht?

Womit "verdient" ein Kind daß es von der Leistungsfähigkeit seiner Eltern profitiert und was kann der HartzIV Nachwuchs dafür daß er sich die falschen Eltern "ausgesucht" hat?

Das gesellschaftliche Problem daß ich hier sehe und durch erben verstärkt wird ist eine zunehmende Undurchlässigkeit nach oben und das wird auch immer mehr Menschen bewusst.
Die Aufstiegsmöglichkeit zu Wohlstand ist aber die wichtigste Triebfeder unserer Marktwirtschaft, deshalb ist es wichtig die Durchlässigkeit eher zu erhöhen.
Die Intention von Eltern ist es aber gerade einen fairen Wettbewerb für ihre Kinder zu vermeiden und ihnen soviele Vorteile als möglich angedeihen zu lassen.
 
G

Gast10

Guest
AW: Rente mit 63

Also ich sehe das Leistungsprinzip gar nicht ausgehebelt, genau wie ich andere Deiner Meinungen nicht als gegeben sehe wie Du sie darstellst. Im Gegenteil: Leistung lohnt sich in meinen Augen dann nicht mehr, wenn ich die Früchte meiner Arbeit nicht mehr an diejenigen weitergeben kann, an die ich das will sondern sie spätestens mit meinem Tod an die Allgemeinheit ausschütten muss. In diesem Fall würde ich mir eine Couch kaufen, auf der ich lange sitzen und pupsen kann und von Sozialhilfe leben und mir schöne Tage machen, denn in den Tod kann ich nichts mitnehmen. Das wäre für mich ein zufriedenstellendes Leben, denn ich glaube nicht an Selbstverwirklichung über Beruf und Geld und auch nicht an ein Leben nach dem Tod. Aber ich habe den inneren Antrieb, meine Kinder später zu unterstützen, wie das auch meine Eltern für mich getan haben.

Ich glaube immer noch, dass jeder der es will machen kann was er will, wenn er es rechtzeitig in die Hand nimmt. Jeder hat (mit wenigen extremen Ausnahmen) heutzutage dieselben Chancen. Ich habe einen großen Freundes- und Bekanntenkreis und da gibt es Kinder von reichen Eltern, die im Gymnasium verkackt haben und jetzt ohne Abschluss in der Gastronomie arbeiten genauso wie Kinder aus Brennpunktfamilien, die sich durchgesetzt haben und jetzt nach ihrem Studium als Ingenieure arbeiten. Ich glaube nicht, dass Geld die größte Rolle dabei spielt, sondern die Liebe der Eltern und der wache Geist, den sie ihrem Kind weitergeben. Dass dumme Eltern vielleicht ein Problem damit haben, sehe ich ein, aber das hat nichts mit dem Vererben von Vermögen zu tun.

Eltern, die ihr Kind entgegen besserer Anlagen in die Hauptschule schicken, damit sie möglichst schnell auf eigenen finanziellen Füßen stehen, sind einfach nur schlechte Eltern, aber in den seltensten Fällen würde man es finanziell nicht hinbekommen, ihm eine bessere Schulbildung zu ermöglichen. Und genau da sehe ich den Ansatz für die Chancengleichheit: nicht in Vermögensvernichtung derer, die es zu was gebracht haben, sondern in einem staatlichen Schulwesen, das es jedem gleich ermöglicht, die Schule, Ausbildung, Studium zu besuchen, die er will und zu der er geistig in der Lage ist, sofern er sich anstrengt und nicht 20 Semester auf Staatskosten studiert. So schlecht stehen wir da in Deutschland meines Erachtens gar nicht da. Ich habe ja 2 Kinder und bekomme das täglich mit. Mit Ganztagsschulen etc. hat sich da in den letzten Jahren einiges bewegt

Ja, die Chance auf denselben Luxus, mit Benz in die Schule fahren etc., die haben Kinder ärmerer Eltern nicht, meine werden das übrigens auch nicht haben, aber mal ehrlich, darauf kommt es doch nicht an!

Insofern stellen sich sämtliche Bedenken zur Gesamtwirtschaft und Gesellschaft, die Du hast, für mich überhaupt nicht ein. Davon abgesehen, habe ich als Individuum einen gesunden Abstand hierzu und spreche natürlich auch für meine persönliche Überzeugung und in meinem Sinne. Würde ich das nicht, wäre ich entweder sehr dumm oder ein unverbesserlicher Weltverbesserer. Einer davon reicht mir in meiner Familie allerdings.

So viel zu meiner Meinung, die Du hören wolltest. Für mich ist das Thema ausgereizt, da wird von keiner Seite was Neues kommen.
 

bedee

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Hier und heute möchte ich mich für die lebhafte Diskussion hier bedanken. Auch wenn ich selber hier nicht so sehr viel gepostet habe, habe ich doch alle Beiträge mehrmals gelesen und mir von ihnen bei meiner Entscheidungsfindung helfen lassen.

Darf ich einen mir gebotenen Vorteil in Anspruch nehmen auch wenn ich der Überzeugung bin, dass die betreffende Regelung für das große Ganze (die Rentenversicherung, den Staat, die Gesellschaft?) eher einen Nachteil darstellt? Ich glaube, die endgültige Entscheidung fiel mit den folgenden, gänzlich aus dem Zusammenhang gerissenen Worte von one2one:
...Würde ich das nicht, wäre ich entweder sehr dumm oder ein unverbesserlicher Weltverbesserer...
Hmm, ich halte mich für keins von beiden. Also werde ich mich mit 63 und 4 Monaten bei meinem Arbeitgeber vom Acker machen (was mein Chef jetzt doof findet weil er 9 Monate länger dabei ist und sich demzufolge noch um einen Nachfolger kümmern muss. Hat der doch glatt gestern gefragt, wie lange ich noch arbeiten will !?).

JA, und was mache ich dann mit meinen Tagen? Auch dazu hatte ich letzten Sonntag eine Idee: da kniete ich im Gemüsebeet und hab mit den Händen nach Kartoffeln gegraben. Soll heißen, ich hätte große Lust, meine Zeit draußen zu verbringen anstatt hinter Glasscheiben zu sitzen mit der Aussicht auf qualmende Schornsteine.
 

königderberge

Well-Known Member
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Mal wieder was zum Thema Rente mit 63, scheint als haben sich da einige verkalkuliert, aber ausbaden müssen es die anderen:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/rente-mit-63-kosten-explodieren-a-1003959.html

Da würd ich auch gerne nochmal da ansetzen ob man wirklich alles mitnehmen soll was rechtlich möglich ist, oder ob man als Bürger auch mal Eigenverantwortung trägt und selbstständig falsche, vom Lobbyismus geprägte Entscheidungen korrigiert.
Ich weiss ich bin ein Idealist ;)
 

königderberge

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In Deutschland ist der Anteil der Reichen, die ihr Vermögen geerbt haben, besonders groß. Laut der Studie haben gut 28 Prozent der deutschen Multimillionäre ihren Wohlstand allein dem Erbe zu verdanken. Das ist - neben der Schweiz - der höchste Wert aller untersuchten Länder. Bei 31 Prozent geht der Reichtum demnach auf eine Mischung aus Erbe und selbsterwirtschaftetem Vermögen zurück. Lediglich 41 Prozent haben es ohne Erbe zu Reichtum gebracht.
Zum Vergleich: In den USA oder Großbritannien beträgt der Anteil der Self-Made-Multimillionäre jeweils rund drei Viertel.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/re...ten-multimillionaere-in-europa-a-1003878.html
 
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